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Manche Themen, Herausforderungen und Prozesse begegnen uns immer wieder. Sie sind möglicherweise Einladungen hinzuschauen, etwas zu verändern, etwas zu heilen. Aber was, wenn es scheinbar im eigenen Lebenslauf gar keine Erklärung, kein Ereignis gibt, was dazu passt? Und gleichzeitig starke Emotionen, Vermeidungsstrategien oder Überlebensimpulse sich zeigen?
Dies könnte ein Hinweis sein, dass wir durch etwas beeinflusst werden, was unsere Vorfahren erlebt und an uns weitergegeben haben. Es scheint dann häufig viel diffuser und schwer zu greifen als Dinge, die wir Ereignissen aus dem eigenen Lebenslauf zuordnen können.
Wir leben in einen Land, wo fast alle Menschen Vorfahrinnen und Vorfahren haben, die in irgendeiner Formen den 2. Weltkrieg (vielleicht auch den 1. Weltkrieg) miterlebt haben – mit allem was da ggf. “dazu gehörte”. Nicht wenige haben Ahninnen und Ahnen, die Entwurzlungs- und Verlusterfahrungen, Zerstörung und/oder das Gefühl nicht willkommen zu sein durch Flucht, Vertreibung oder Migration erlebt haben – egal ob durch einen der (Welt-)Kriege oder andere Konflikte, Krisen, Nöte, wie wir sie gerade auch wieder überall in der Welt erleben.
Nicht alle unserer Ahninnen und Ahnen waren in der Lage und hatten die Möglichkeit dazu, das, was ihnen widerfahren ist, tatsächlich zu verarbeiten, zu lösen und zu integrieren. Und wenn das nicht gelingen konnte, kann es passieren, dass diese offenen Enden unbemerkt und unbeabsichtigt an die Nachkommen weitergegeben werden und ggf. Einfluss auf deren Leben haben. Manchmal schlummert die Weitergabe in uns, ohne dass sie sich bemerkbar macht und wird dann quasi wie aktiviert, wenn uns selbst etwas geschieht.
Die Somatic Experiencing Trainerin und Therapeutin Heike Gattnar ist selber 1943 mitten im 2. Weltkrieg geboren. Sie hat sich über lange Zeit mit ihrer eigenen Familiengeschichte beschäftigt, unzählige Klientinnen und Klienten mit transgenerationalen Themen begleitet und sich mit viel Neugier und Offenheit unterschiedlichsten Weisen transgenerationale Weitergabe zu verstehen und verschiedenen Heilungswegen gewidmet.
Ende Juni ist ihr Buch erschienen, in dem sie eine sehr lesenwerte Mischung geschaffen hat, aus einem sehr weitgefächerten Überblick zum Thema, den unterschiedlichen Wege der Weitergabe sowie Ansätzen zur Heilung und der Bedeutung der historischen Einordnung der Zeit und Umstände, in denen die Ahninnen und Ahnen gelebt haben. Das Ganze unterfüttert sie mit Beispielen aus ihrer eigenen Familiengeschichte, um Dinge zu verdeutlichen. Sie vergisst dabei auch nicht, darauf hinzuweisen, dass wir neben herausfordenden, teilweise traumatischen Dingen auch ganz viel Positives wie Fähigkeiten, Talente, Interessen usw. von unseren Ahninnen und Ahnen weitergegeben bekommen.
Aus meiner Sicht eine wirkliche Lese-Empfehlung für alle, die sich mit dem Thema transgenerationale Weitergabe beschäftigen wollen:
Heike Gattnar
Schon vor der Zeit war Traurigkeit – Transgenerationale Weitergabe von Erfahrungen
Arbor Verlag
Auf meiner Bücherseite findest Du noch weitere Büchertipps zum Thema transgenerationale (und kollektive) Traumata:
https://tief-bewegen.de/sei-neugierig/buechertipps-co/#transgenerational |